AUSGETÜRKT

Es ist schon seltsam zu beobachten, was so in der Türkei passiert. Nein, ich möchte jetzt nicht mit dem Einmarsch in Afrin bzw. Syrien kommen, es ist eher die Großwetterlage in der Türkei.

Die wenigsten werden es wissen, aber doch werden es viele registriert haben, dass in den Social-Media die Freunde aus der Türkei und einige Deutschtürken, ein „T.C.“ vor ihrem Namen führen.

Ich denke, so etwas ist einmalig, denn T.C. bedeutet ‚Türkiye Cumhuriyeti‘ also ‚Republik Türkei‘, 1923 von Atatürk gegründet. Derzeit ist nur noch ein Gerüst davon da, innen ausgehöhlt.

Seitdem Herr Erdogan an der Macht ist erwähnte er immer, wenn er von großen Zielen sprach, das Jahr 2023, dem hundertsten Jahrestag der Republik Türkei. Ich fragte mich, was hat einer mit diesem Datum zu tun, der doch vorhat, den Demokratie-Zug zu verlassen (wie er mal sagte), wenn er ihn nicht mehr braucht. Aus dem Zug ist er schon längst ausgestiegen und geht einen anderen, eigenen, Weg.

Kommen wir aber  auf das T.C. vor dem Namen zurück. Den Zusatz hat Erdogan von den staatlichen Tabellen und Behörden entfernen lassen. Damals, zu Zeiten der Gezi-Proteste in Istanbul verstärkt, aber auch schon einige Jahre zuvor, fingen die Menschen an, T.C. vor ihren Namen als Ausdruck des Protests zu benutzen. Es blieb dabei, die meisten benutzen es immer noch.

Es ging aber weiter. Nachdem die Ärztekammer eine Mitteilung verfasste und sich gegen den Einmarsch in Syrien stellte, die Ärzte zuerst verhaftet und nach 10 Tagen freigelassen wurden, darf auch das Wort „Türk“ nicht mehr vorneweg geführt werden. Türk bedeutet, ‚türkische‘, wie auch ‚Türke‘. In der Türkei darf man also nicht mehr Türke sein. Wie soll man dann die Bevölkerung der Türkei nennen?

Interessant ist auch, dass die angeblichen Nationalisten, so muss ich sie nennen, sich ebenfalls nicht darum scheren, dass alles, worauf sie stolz sind, verschwindet.

Ich denke 2023 werden wir es erfahren, wenn wir nicht den Hundertsten Jahrestag der Republik Türkei feiern, sondern mit neuen, einschneidenden Veränderungen und Tatsachen konfrontiert werden.

Hoffen wir zum Wohle des …?… Volkes mal alle, dass sich das Blatt noch wendet.

 

Share