Quellenangabe: Unbekannt!

Die Investitionsagentur der Türkei schreibt auf ihrer Website: „Der Maschinenbau ist weiterhin einer der wichtigsten Wachstumsmotoren der türkischen Wirtschaft. Dieser Sektor spielt eine entscheidende Rolle in der Entwicklung des breiteren Wirtschaftszweiges der Fertigungsindustrie der Türkei, vor allem aufgrund seiner Fähigkeit, halbfertige Erzeugnisse und Vorleistungen für Schlüsselsektoren wie Bau, Energie, Textilien, Landwirtschaft und Bergbau herzustellen und zu liefern.“

Das stimmt auch!

Weil ich die Sparte für sehr wichtig erachtete, machte ich mich 2010 dran, eine Studie über die Möglichkeiten im Maschinen- und Anlagenbau der Türkei zu erstellen. Ach was rede ich, es sollte ein Monumentalwerk sein, der seines Gleichen gesucht hätte.

Mit meiner Assistentin machten wir uns an die Arbeit. Wir sammelten Zahlen und Informationen. Ich führte parallel Interviews mit den Unternehmen. Die Studie sollte nichts beschönigen und nichts verfälschen. Wahrheit nichts als die Wahrheit.

Ich hatte mir einen Zeitrahmen von knapp über einem Jahr gesetzt. Nur, das Ende kam nach 10 Monaten harter und intensiver Arbeit. Die ganze Arbeit für den Müll. Klar, das Wissen, was ich mir angeeignet hatte in dieser Zeit, war meines, aber dennoch wurde das Ziel eines Standardwerks über Maschinen- und Anlagenbau nicht realisiert.

Die Wahrheit, warum es so kam, ist bitter und schmerzhaft zugleich und doch der Ist-Zustand der Türkei. Wir stellten immer wieder fest, dass die vielen Grafiken zu den Texten nicht zueinander passten. War die Grafik richtig und der Text falsch, oder umgekehrt? Auch gab es einige Zahlen, die so unlogisch waren, dass sie nichts miteinander zu tun hatten, obwohl die eine Zahl als Ergebnis der vorangegangenen zu sehen waren.

Schon wurde das Ganze zu einem Rechercheprojekt. Was stimmte, was nicht? So hartnäckig wie ich bin, ließ ich nicht locker. Immer wieder Anrufe bei der jeweiligen Institution oder Behörden, Besuche, weil niemand ans Telefon ging usw.

Immer nahm man zur Kenntnis, dass die Tabellen und Grafiken nicht zum Text passten, nur der Zuständige dafür war entweder nicht mehr dort beschäftigt, in Rente, aber auf jedem Fall nicht mehr da.

Immer wenn ich Zahlen aus der Türkei in meine Beiträge einbaue, versuche ich die Plausibilität zu berücksichtigen. Geht das Ganze logisch auf, ist dabei die Master-Frage.

Heute, der 3. Dezember, ist der Internationale Tag der Menschen mit Behinderung. Als ich vor einer Woche schon darüber was schreiben wollte, erfuhr ich, dass 6,6% der türkischen Bevölkerung Behindert ist. Das ist die Zahl derer, die offiziell als solche anerkannt worden sind. Die eigentliche Zahl dürfte aber einiges höher sein.

Bei mir kam die Frage auf, ob diese 4,9 Mio. Menschen in den Arbeitsmarktstatistiken, mit den Menschen ohne Behinderung gemeinsam aufgeführt worden. Wie man sich vorstellen kann, war es ein schwieriges Unterfangen, das heraus zu bekommen.

Am Ende kann ich Euch sagen, dass sie mit an 99,99% grenzender Wahrscheinlichkeit nicht mitgezählt werden. Von den Befragten bei der zuständigen Behörde glaubten das alle.  Wie in der Türkei allgemein, auch da, wo die Zahlen zusammenkommen, ist alles eine Frage des Glaubens.

 

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