Cibali Zigarettenfabrik, neue Dekrete u.v.a.m.

Bevor ich Euch über die Cibali Zigarettenfabrik berichte, möchte ich noch erwähnt haben, dass dieser Tage in der Türkei die Dekrete nur so durch die Luft fliegen. Ein Beispiel: Personen, die andere töten und später behaupten, dieser hätte terroristische Aktivitäten vorgehabt, müssen nicht mehr angeklagt werden und werden straffrei davonkommen.

Auch sind Dekrete da, die den Waffenbesitz neu regeln. Ich denke, unter dem Vorwand des Selbstschutzes wird bald jeder im Schrank eine Waffe stehen haben. Wo das hinführen wird und soll, werden wir alsbald erfahren.

Das Wahljahr 2019 rückt näher. Es wird weiterhin um Machterhalt des Herrn Erdogan gehen. Um Stärke nach Innen bzw. Richtung Deutschtürken zu demonstrieren, wird der Präsident weiterhin Europa bzw. Deutschland angreifen. Ob das wieder dem Tourismus bzw. dem Deutsch-Türkischen Verhältnis schaden wird? Ganz sicher, aber der Regierung und dem Präsidenten ist das egal. Schließlich tut ja die deutsche Seite am Ende so, als sei nichts passiert.

Die Cibali Zigarettenfabrik möchte ich als Beispiel dafür nehmen, wie es mit anderen türkischen Unternehmen, die im neu gegründeten  (August 2016) Asset-Fonds (Varlik Fonu) des Staates sind, kommen kann.

Die Cibali Zigarettenfabrik wurde um 1860 gegründet. Während des Krim Krieges verschuldete sich das Osmanische Reich dermaßen, dass es kein Ausweg mehr gab, außer sich weiter zu verschulden. Eigentlich wie heute.

Die Schuldnerländer gründeten eine Regulierungsbehörde und entscheiden somit über die Finanzen der Osmanen. Die Fabrik und das Staatsmonopol bür Tabakprodukte ging ebenfalls auf die Regulierungsbehörde über. Die Behörde gab diese dann für 30 Jahre an das Konsortium, bestehend aus der Credit Anstalt Wien, der Ottoman Bank (damals Französisch) und dem Banker und Investor Blaynrud aus Berlin.

1953, Arbeiterinnen der Cibali Tabakfabrik

Genau dafür ist die Varlik Fonu (Asset-Fonds der Türkei) u.a. da. Einmal dient es als Garantiegeber bei Auslandsdarlehen und zum anderen dafür, dass man die Werte, die man darin hat, schnell anderen übertragen kann. Eigentlich wie damals.

1923, mit der Gründung der Republik ging das Staatsmonopol, inklusive der Zigarettenfabrik Cibali an den Staat über. Ab 1946 produzierte die Fabrik die ersten türkischen Zigarren und ab 1959 dann die Zigarettenmarke Samsun. Da ab diesem Zeitpunkt keine Investitionen mehr folgten und die Technologie veraltet war, wurde die Fabrik 1995 geschlossen.

In dem Gebäude der alten Fabrik befindet sich derzeit die Kadir Has Universität.

In den Asset-Fonds der Türkei befinden sich so ziemlich alle staatlichen Betriebe und Anteile der türkischen Republik (u.a. Turkish Airlines, Halkbank, Ziraat Bankasi, staatlicher Grundbesitz, Caykur…). Der fünfköpfige Vorstand, die dem Staatspräsidenten untergeordnet ist, ist berechtigt Unternehmen, sowie Anteile ohne Probleme zu überschreiben.

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