Der Türke legt sein Geld in Devisen an

Die hohe Inflation nimmt der türkischen Lira die Kaufkraft weg. Die Bevölkerung schwenkt mit den wenigen Ersparnissen auf den USD, Gold, Immobilien und in kleinem Umfang auf Aktien um.

Ersparnisse sind wichtig. Nur, wenn man diese unter dem Kissen versteckt, nützt es der Wirtschaft nichts.

Wenn man von Ersparnissen spricht, fallen einem immer die privaten Ersparnisse ein. Dabei sind diese Ersparnisse nur ein Teil der Gesamtersparnisse eines Landes. Die öffentliche Hand, die Unternehmen und die Bevölkerung sind allesamt Sparer.

Die privaten Ersparnisse der Einzelnen auf türkischen Banken sind zu 60% in TL und zu 40% in Devisen.

Die Devisen-Ersparnisse bei den Banken sollen momentan 147 Milliarden USD betragen, davon 87 Mrd. USD von Privatpersonen.

In September betrugen die privaten Ersparnisse noch 94 Mrd. USD. Als die USD Kurse in die Höhe schellten, wurden die Dolars verkauft. Folglich sind die Ersparnisse in USD um 8 Mrd. zurückgegangen.

Auch, wenn ich von offiziellen Zahlen der Zentralbank ausgehe, so gibt es auch hierbei ein schiefes Bild. Wenn allein die Gesamtersparnisse 147 Mrd. USD ausmachen und die Zentralbank der Türkei die eigenen Devisenreserven (inkl. Goldreserven) zum 17.11.2017 mit 119,1 Mrd. USD angibt, bleiben viele Fragezeichen.

Auch gleicht es einem Wunder, dass immer noch so viel Geld da ist, welches Volkswirtschaftlich kaum zu erklären ist.

Denn, ca. 40 Mrd. USD Leistungsbilanzdefizit, 60 Mrd. USD Darlehenstilgungen der privaten Wirtschaft ebenfalls in diesem Jahr (von über 400 Mrd. USD) und über 400 Mrd. USD Devisenschulden des Staates müssen noch bedient bzw. finanziert werden.

Für den Fall, das jetzt Vermutungen aufkommen, dass die einzelnen Banken die Devisen bei sich behielten: Die Banken bringen das Bare, auch in TL, jeden Abend zur Zentralbank und kassieren noch Zinsen dafür. Das ist auch der Grund, dass man bei größeren Barabhebungen der Bank immer zeitig Bescheid geben muss, wenn man Bargeld braucht.

  • Um die TL zu stärken muss man die Inflation bekämpfen.
  • Um die Abhängigkeit von ausl. Quellen zu minimieren, muss man das Leistungsbilanzdefizit bekämpfen.
  • Es müssen Strategien her, die die Importe senken, die Exporte und die Tourismuseinnahmen steigern helfen.
  • An den besseren Beziehungen zu Ländern, an die die Türkei Geld schuldet, sollte ebenfalls gearbeitet werden.

Nur geschieht nichts davon. Momentan geht es ausschließlich um Machterhalt des Herrn Erdogan. Es wird die „Nach mir die Sintflut – Strategie“ gefahren.

Eine schräge Gegenüberstellung:

Die Ersparnisse der Deutschen betrugen laut EZB in 2016: 7.999.000.000.000 Euro

73.000.000.000 Euro, die der Türken

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