91 Jahre lang schauten sich Atatürk und Königin Sophie an

Die Wahrheit kam erst 2013 zu Tage. Die Geschichte hatte mir so gut gefallen, dass ich mir einige Notizen machte und das Foto abfotografierte.

Im Jahre 1919 war Izmir unter Belagerung der griechischen Armee. Das Leid der Stadtbevölkerung sollte noch 2 Jahre andauern. Der griechische König Konstantin I. beschloss nach Izmir zu kommen. Er wollte seine Armeen von hier aus führen.

Als Residenz und Kommandantur wähle sich Konstantin den Iplikcizade Palast aus. Es war kein Zufall, dass die Entscheidung auf Iplikcizade Palast fiel, denn es gehörte der Familie um Haci Ismail Iplikci, den Gründern des Fußballklubs Karsiyaka. Bevor die Griechen dort einzogen, wurde der Palast von Sadi Iplikci bewohnt, der auch Spieler von Karsiyaka var.

Gegen den Fußballklup Karsiyaka hatten die griechischen Mannschaften keine Chance, die KSK gewann fast jedes Spiel. Mit dieser Handlung wollte man der Mannschaft schaden. Sadi und Süreyya Iplikci mussten den Palast verlassen und wurden nach Griechenland ins Exil geschickt.

König Konstantin I. betritt den Palast, in dem er auf die von den Soldaten auf dem Boden gelegte türkische Fahne tritt. Ende Sommer 1922 wollte die Königin Sophie ebenfalls nach Izmir kommen. Die Vorbereitungen begangen. Konstantin ließ ein Bild der Gattin, die auch preussische Prinzessin und Tochter vom Wilhelm II. war, in deren Schlafzimmer aufhängen.

Die Vorbereitungen waren umsonst. Am 9. September 1922 marschierte die 5. Kavallerie unter dem Kommando von Fahrettin Altay, dem Bruder vom Bürgermeister von Karsiyaka, in Izmir ein. Es wurden Überlegungen angestellt, wo Mustafa Kemal die Nacht der Befreiung verbringen sollte. Am Ende entschied man sich für die Iplikcizade Palast, wo schon Konstantin alles bis ins kleinste Detail hatte einrichten lassen.

Man hob die türkische Fahne vom Boden auf und tauschte diesen mit der griechischen Fahne. Atatürk fuhr mit einem, mit rotweißen Blumen geschmückten Auto vor. Als er den Palast betreten wollte, sah er die griechiesche Fahne und fragte, was das zu bedeuten hätte.

Die Sachlage, wie der Konstantin dieses handhabte, wurde ihm geschildert. Er sagte: “Die Fahne symbolisiert die Würde einer Nation. Hebt es auf! Wenn der griechische König sich einen Fehltritt erlaubte, müssen wir das ja nicht nochmal wiederholen. Ich mach das nicht. Hebt es auf!”

Atatürk übernachtete 3 Nächte in dem Palast. Am 2. Tage war KSK wieder in Torlaune. Atatürk sagte der Führung des Klubs, dass die Mannschaft wieder regelmäßig spielen solle.

Im Schlafzimmer hing noch das Bild von Königin Sophie. Als man das Bild abhängen wollte, sagte Atatürk, dass das Bild da ruhig hängen bleiben könnte.

Die im Exil lebenden Eigentümer des Palastes kamen zurück und bewohnten den Palast wieder. Da es Atatürks Wunsch war, hat man das Bild niemals abgehangen. Nur, man tat ein Portrait von Atatürk in den Rahmen, so das die Sophie nicht mehr zu sehen war.

Das Geheimnis des Bildes von Königin Sophie kam dann durch ein Zufall 91 Jahre später zu Tage. Der Autor eines Buches, der die Geschichte von Izmir von damals schrieb, hatte vom Gründer des Fußballklubs Karsiyaka kein Foto gefunden und besuchte die Familie. Während er ein Foto Ahmet Süreyya Iplikci von seiner Tochter ausgehändigt bekam, erzählte die Dame von dem Geheimnis um das Bild, worüber wohl alle Familienangehörigen schon immer Bescheid wussten.

Unter der Aufsicht vom Autor Ahmet Diker wurde das Bild abgehangen und vorsichtig streifte man das Bildnis von Atatürk ab, bis dann die im Jahre 1923 an Krebs verstorbene Bildnis der Königin Sophie zum Vorschein kam.

Die Tochter von Ahmet Süreyya Iplikci sagte: “Das Bild ist nicht nur für Karsiyaka, sondern für die Türkei und Griechenland ebenfalls von Bedeutung. Das Leid früherer Jahre haben wir hinter uns gelassen. Wir sind Freunde für die Ewigkeit. Unser Tür steht unseren griechischen Freunden weit offen.”

Schön, nicht wahr?

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