Nicht der Mufti spielte die Hauptrolle, sondern der syrische Flüchtling

Es hat Tradition in der Türkei, dass man in den letzten 15 Jahren oft über Sammelgesetze abgestimmt hat und mit einem „Ja“ und bis zu 100 Gesetze, manchmal mehr, für rechtskräftig erklärte, wie vor zwei Tagen. Für uns die wichtigsten Überschriften waren dabei, so glaubten wir, dass die Muftis mit den Standesbeamten gleichgestellt sind und dass die Kinder ohne Geburtsurkunde ins Stammbuch eingetragen werden können.

Mittendrin ein Gesetz, welches gar nicht ins Bild passte: „Der Ministerrat ist berechtigt, allen Ausländern, die kein Aufenthaltserlaubnis besitzen, eine türkische ID-Nr. auszustellen.“

Als ich übersetzen wollte, habe ich lange überlegt, ob ich den Absatz nicht rauslassen sollte, schließlich schien es versehentlich reingerutscht zu sein.

Auch sagte ich den ausländischen, zumeist deutschen Residenten, die mich mit Fragen bombardierten, was dies den jetzt für sie bedeuten würde, sie sollten die Kommentare und Antworten dazu, woanders abrufen, ich würde es nicht verstehen.

Erst einen Tag später fiel bei mir der Groschen. Eigentlich war es dieser Absatz, welches vertuscht werden sollte. Die Regelung betrifft hauptsächlich die syrischen Flüchtlinge. Sollte bei den nächsten Präsidentenwahlen evtl. 2019, oder früher, oder überhaupt nicht, ein knapper Ausgang sich andeuten, wird per Dekret erlassen werden, welches dann lautet: „Alle Bewohner der Türkei, die eine türk. ID-Nr. besitzen, dürfen an den Präsidentschaftswahlen wählen gehen. 3 Mio. Syrer machen da gerne mit. So braucht man die Wahlen nicht fälschen und kommt ziemlich legal zu den Stimmen.

Sehen wir der Dinge entgegen, die noch passieren werden. Nur soviel, Frau Merkel soll nicht denken, der Erdogan würde die Flüchtlinge auf die EU loslassen. Die braucht er noch.

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