Die Auslandsschulden der Osmanen war gestern

Sultan Abdülhamit

Die erste Auslandsverschuldung des osmanischen Reiches erfolgte 1854, zu Zeiten des Krim-Krieges. An der Macht war Sultan Abdülmecid. Als die Osmanen die Schulden nicht bezahlen konnten, nahmen sie immer mehr Darlehen auf.

Die Geldgeber gerieten in Panik und gründeten die Düyun-u Umumiye, eine Art Schuldenregulierungsbehörde. Somit übertrugen die Osmanen, die Entscheidung über die Finanzen des Reiches, an dritte Personen.

77% der Schulden wurden später der neuen türkischen Republik übertragen. Die Vereinbarung von Lausanne zwang die Türkei zum freien Handel, inkl. freier Importe, ohne Einschränkungen, durch Einfuhrzölle. Türkei zahlte zwar auf der einen Seite die Schulden der Osmanen, nur schon damals importierte man mehr als man exportierte. Das Leistungsbilanzdefizit wuchs an. Der Börsencrash von 1929 in den USA und die darauffolgende Weltwirtschaftskrise lenkte den Blick der Schuldnerländer auf die Heimatmärkte. Dieses nutzt die Türkei aus und schränkte die Importe ein, bremste den freien Handel aus und ging auf Staatsregulierungen über.

Dieses löste ein Wirtschaftswachstum aus. Kleinere Unternehmen wurden gegründet, die Industrie kam in Fahrt und die türkische Währung wurde erstmals reguliert.

Auch wenn dieses Vorgehen heute von der Regierung und seinen Anhänger stark kritisiert wird, so muss man die Entscheidungen, entsprechend der Zeiten, in der sie getroffen wurden, bewerten. Zu damaliger Zeit hatten fast alle Länder ähnliche Strategien erfolgreich verfolgt. Diese Entscheidungen führten dazu, dass die Türkei den Außenhandel und das Leistungsbilanzdefizit in den Griff bekam.

Die Schulden des osmanischen Reiches wurden bis 1954 in Raten beglichen. Wenn man bedenkt, dass die erste Auslandsverschuldung 1854 erfolgte, dauerte es 100 Jahre, ehe man die Schulden beglich.

Natürlich kann man die Werte von damals und heute Monetär schwerlich in Relation setzen, doch verdeutlichen folgende Prozente in etwa die Schuldenhöhe.

Die Osmanen hatten 145 Millionen Gold Lira Schulden. Das war damals 65% des Bruttosozialproduktes der Osmanen.

Setzt man diesen Prozentsatz mit dem Bruttosozialprodukt von 750 Milliarden USD (2014), in Relation, so betrugen die Schulden von damals ca. 500 Milliarden USD bzw. hatten sie diese Gewichtung.

Der Großteil der osmanischen Schulden konnte durch neu eingeführte Vermögenssteuer von 1942 zurückgeführt werden. Erst 1989 zahlte der Staat die letzten, zur Finanzierung der osmanischen Schulden ausgegebenen Staatsanleihen zurück und schloss die Akte „Osmanisches Reich“ endgültig ab.

ARD: Heute kann man die im letzten Jahr gegründeten Asset-Fonds (Varlik Fonu) des Staates, wo alle Werte des Staates (z.B. Ziraat Bank, Halk Bank, Turkish Airlines, Grundstücke der Kommunen, Städte und des Landes u.a.) reingetan wurden und als Sicherheit für neue Schulden des Staates dienen, bald mit der Regulierungsbehörde der Geldgeberländer, zu Zeiten des osmanischen Reiches, gleichsetzen. Mit jeder Schuldenaufnahme der Türkei, übernehmen die Geldgeber das Sagen über die staatlichen Werte der Republik Türkei. Über kurz oder lang, wird die Türkei ebenfalls, wie das osmanische Reich, zahlungsunfähig werden. Dann werden die Schulden der türkischen Republik, wie das schon zu Zeiten nach dem Zusammenbruch des osmanischen Reiches der Fall war, von anderen als den Türken reguliert werden.

 

Hier nochmals die Lage aus dem Feder von Mustafa Kemal:

Mein Lieber Ismet Pascha,

dich stelle ich mir als den ersten Ministerpräsidenten der Republik vor. Halt, sag jetzt nicht sofort ‚Nein‘.

Ich sage dir, warum ich mich für dich entschieden habe.

Uns erwartet wieder ein großer Krieg. Einen Teil davon kennst du als Frontkommandant und Hauptdelegierter bei den Verhandlungen zum Lausanner Vertrag natürlich selber.

Nach deiner Rückkehr aus Lausanne hast du uns selbst berichtet, dass die großen Nationen unsere katastrophale Lage kennen und  damit rechnen, dass wir uns bald ergeben werden.

Ich sage dir aber jetzt etwas noch Traurigeres und resümiere unsere momentane Lage.

Wir haben ein überschuldetes und krankes Land geerbt.

Wir sind eine Nation, die aus einer bettelarmen Landbevölkerung besteht.

Wir haben kaum Straßen, die über vier Jahreszeiten dauerhaft benutzt werden können. 4.000 km Schiene, wovon uns nicht ein Meter gehört.  Außerdem nicht ausreichend. Wir müssen das Land vom Norden bis Süden und vom Westen bis nach Osten zu einer Einheit werden lassen.

Die Marine ist in einem traurigen Zustand.

Wir müssen der Bevölkerung Land und zwei Ochsen geben und diese zu Bauern werden lassen.

Die Konstellation mit den Stämmen, Agas und Scheichs im Osten ist mit der Republik nicht vereinbar.

Wir müssen die Situation in Ordnung bringen und das Volk retten. Die Geldverleiher nehmen das Volk vielerorts aus.

Eigentlich sollen wir ein Agrarland sein, nur das Mehl für unser Brot müssen wir aus dem Ausland kaufen. Die Rinderpest vernichtet unsere Rinderzucht.

Wir haben 337 Ärzte, 434 Gesundheitsbeamte und 136 Hebammen.

Apotheken haben wir nur in den wenigsten Städten.

Die Seuchen töten unsere Menschen. 3 Millionen Menschen haben alleine Trachom (Erkl.: Stark ansteckende Krankheit, lässt die Menschen erblinden).

Malaria-, Typhus-, Tuberkulose-, Syphilis- überall (Erkl. : Hat die Republik gänzlich in den Griff bekommen).

Das sind ernste Probleme.

Das halbe Volk ist krank. Die Kindersterblichkeit liegt bei über 60%. 80% der Bevölkerung lebt auf dem Lande und ein Großteil davon sind Nomaden.

Telefon, Motoren und Maschinen haben wir nicht.

Die Industriegüter kaufen wir alle aus dem Ausland. Sogar die Ziegelsteine müssen wir im Ausland kaufen. (WIE HEUTE AUCH WIEDER) Strom gibt es nur in Istanbul und in einigen Vororten von Izmir.

Die Feinde haben 830 Dörfer komplett vernichtet. 114.408 Gebäude wurden in Brand gesteckt. Wir müssen fast das ganze Land nochmals neu aufbauen.

Es gibt alleine über 400.000 Flüchtlinge aus Griechenland.

Unsere Wirtschaft und der Bildungsstand sind mitleiderregend. Wir haben kaum Ökonomen

Nur ¼ der Schulpflichtigen können eine Schule besuchen. Um die Bildung der Bevölkerung hat sich niemand gekümmert.

Eigentlich muss die Republik Menschenmaterial heranschaffen und die Front der Ehrenhaftigkeit muss gestärkt werden. (HEUTE WIEDER DIE RÜCKWÄRTSROLLE. IMMER SCHLECHTERE BILDUNG).

Die Kulturwerte und Historisches wurden und werden außer Landes geschafft. Die Berichte sind detailliert und geben bittere Wahrheiten Preis.

Gebe diese Informationen auch an die Minister und den Parteivorstand weiter. Sie sollen komplett informiert sein.

Unser Budget und unser Einkommen reichen nicht aus. Ich habe da eine Idee, wie wir aus der wirtschaftlichen Misere herauskommen können. Das erkläre ich dir, wenn wir uns sehen.

Unser Ziel muss die ökonomische Unabhängigkeit und zwar die dauerhafte wirtschaftliche Unabhängigkeit sein. (HEUTE KOMPLETT VOM AUSLAND ABHÄNGIG).

Die Osmanen haben diese Situation zu spät erkannt und als sie es gemerkt hatten, war es zu spät.

Wir müssen der Republik eine entsprechende Verfassung geben. Um aus dieser Misere herauszukommen haben wir weder ein Beispiel noch einen Erfahrungswert zur Verfügung.

Wir dürfen nicht aufgeben und uns mit vorläufigen Lösungen abgeben. Um das Volk zu retten, die Probleme zu lösen, einen Aufbruch auszulösen, weiterzukommen und zu einem souveränen Volk zu werden, das Niveau des Jahrhunderts zu erreichen, kurz und bündig: mit der Zeit zu gehen. Diese Ideale müssen wir erreichen. (HEUTE GENAU DIE GEGENGESETZTEN ZIELE).

Dieses Ideal vor dem Augen habend, sind wir hierhergekommen. Wir müssen ab jetzt noch schneller vorwärtsschreiten. Den geeigneten Weg hierzu werden wir gemeinsam suchen und finden.

Wir werden für die armen und gefangenen Nationen ein Beispiel abgeben.

Das Schicksal hat diese heilige Verantwortung unserer Generation auferlegt.

Ich wollte die Schwere und die Ehre dieses Auftrages mit dir teilen.

Allah möge uns beistehen! (SOLL EINER GESAGT HABEN, DER ANGEBLICH GEGEN DEN ISLAM WAR?!)

Bei der ersten offiziellen Volkszählung von 1927 betrug die Einwohnerzahl der Türkei 13,6 Millionen.

 

Quelle: u.a. Hayri R. Sevimay „Cumhuriyete Girerken Ekonomi“, Ali Yavuz „Baslangicindan Bugüne Türkiye Borclanma Serüveni.“

 

 

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