Deutschland brüllt, die USA handeln

Nun, die Analyse muss man so verstehen. Ich liebe die Türkei und folglich kann ich nicht für Erdogan sein, auch nicht für die Führer der oppositionellen Parteien Kilictaroglu (CHP) und Bahceli (MHP), die Türkei in diese heikle Situation, durch Unterstützung des Herrn Erdogans hineinmanövriert haben.

Natürlich trägt die Hauptschuld der Mann an der Spitze des Ein-Mann-Regimes. Die anderen sind lediglich die, die aus Unfähigkeit, bewusst, oder unbewusst ihm die Hilfestellungen liefern, wodurch er an der Spitze bleibt.

Kommen wir zum Wochenende. Wie schön war es, als wir uns am Freitag ein schönes Wochenende gewünscht hatten. Voller Erwartung und Spannung gingen wir ins Wochenende hinein.

Dann der Schock. Die USA teilt mit, dass sie bis auf weiteres für Türken keinerlei Einreisevisa mehr ausstellen wird.

Eine Situation mit dem die türkische Seite erst einmal fertig werden muss. Bis jetzt war es einfach zu reagieren, wenn Deutschland drohte, denn es war klar, es würde bei der Drohung bleiben.

Nur hat die USA nicht einmal gedroht, einfach gehandelt. Harte Fakten liegen nun auf dem Tisch.

Nach meiner Bewertung hat die türkische Seite, noch niemals so eine Klatsche erhalten. Wie soll man reagieren? Bei den Deutschen war es einfach. Verbal konnte man denen alles auf den Kopf schmeißen, zumal sie auch nur verbal drohten, aber was jetzt?

Gleiches mit Gleichem zu erwidern, wird nichts bringen. Die USA haben die stärkeren Karten.

Bei dieser Entscheidung und besonders in der Formulierung der USA kann man den feinen Unterschied ablesen, der sicher nicht jedem sofort auffällt.

Die USA beziehen sich nicht auf den verhafteten Konsulatsangestellten der Amerikaner, der unter Spionageverdacht in Istanbul festgenommen wurde, nein, sie gehen viel raffinierter vor und sagen, dass sie um die Sicherheit der Konsulats- und Botschaftspersonal besorgt wären und um die Lage neu zu bewerten, bis auf weiteres den Türken kein Visa mehr erteilen.

Mit dieser, sehr gut durchdachten Formulierung, erreichen sie, dass die Entscheidung wie es weitergehen wird, bis auf weiteres bei den Amerikanern liegt. So können die, wie im Falle des Ausnahmezustandes in der Türkei, die Frist ewig verlängern.

Hätten die Amerikaner anders formuliert und wie die Deutschen gesagt: „Ihr lasst sofort unsere Mitarbeiter raus, sonst gibt es kein Visum“, hätte man eine Formel finden können und sich auf eine Missverständnis berufend, den einen Mitarbeiter freigelassen.

Deshalb muss man die Handlung der USA unter einem anderen Gesichtspunkt betrachten. Die wirtschaftliche Komponente kommt ins Spiel.

Die AKPisten schreien: „Na und, dann reisen wir halt nicht in die USA!“ Das sind die, die noch nie da waren und auch niemals hinfliegen werden, nur die Sachlage ist eine andere.

Die wohlhabensten und mächtigsten Familien waren bis jetzt still und leise gegenüber der AKP bzw. Erdogan. „Solange es mich nicht tangiert, soll er doch machen was er will.“, war die Devise.

2015 besaßen ca. 75.000 Türken Immobilien in den USA (Quelle: https://www.usailan.com/75-bin-turk-abdde-ev-aldi/ ). Die Schätzungen, dass nach dem Putschversuch vom 15. Juli nochmals so viele dazu gekommen sind, betrachte ich für durchaus realistisch.

Zum anderen kommt hinzu, dass die meisten Kinder wohlhabender Familien, inkl. der AKP Anhänger und Parlamentarier in den USA studieren. Nachdem Deutschland die Visabestimmungen erschwert hatte, schlug der Trend zum Vorteil der USA um, im letzten Jahrzehnt. Nach den Zahlen von 2014 waren 12.500 türkische Schüler, die in den USA studierten (Quelle: http://kamudan.karipnetwork.com/abdde-kac-turk-ogrenci-okuyor-6501.html ).

Bei der letzten Bildungsmesse, wo die Dienstleister ausländischer Universitäten ihre Stände hatten und fleißig neue Schüler einschrieben, erwähnte man, dass der Markt mind. 1 Mrd. USD groß sei (USA + GB). Bitte, die Summe betrifft nur die Studiengebühren. Was den Unterhalt dieser Schüler dort betrifft, muss noch dazu gerechnet werden. Hinzu kommt, dass die Schätzungen von einer Verdreifachung, der Schülerzahlen, die im Ausland studieren, seit dem 15. 07. 2016 ausgehen.

Jetzt könnt ihr euch vorstellen, dass dem Herrn Erdogan ein ganz anderer Wind ins Gesicht bläst, als es bisher der Fall war. Die Telefone Richtung Regierung stehen nicht still. Jetzt kommen die Industriellen ins Spiel, die bis jetzt geschwiegen haben. Sie können nicht hinnehmen, nicht in die USA reisen zu dürfen. Dann die Devisenkurse, wo doch die private Wirtschaft 60 Mrd. USD an Schulden in Devisen, in diesem Jahr noch zu zahlen hat. Die türkische Währung verliert stündlich an Wert.

Dann die Turkish Airlines, die gerade vor einigen Tagen für 11 Mrd. USD neue Boeing-Maschinen bestellt hat. Die Airline hat die lukrativsten Routen Richtung USA, die fast alle voll hin und her fliegen.

Da die Türken gerne spekulieren, haben einige gesagt: „Das geht nur solange, bis die Amis auf dem Knopf drücken. Danach geht alles in die verkehrte Richtung für den Herrn Erdogan.“

Diese Entscheidung der USA, den Türken bis auf weiteres keine Visa mehr auszustellen, hat diese Qualität. Natürlich liegt es im Ermessen der USA, wie weit sie gehen wollen.

Die türkische Wirtschaft lag am Boden. Nur durch die Geldpumpe der Regierung wurde es am Leben gehalten. Wenn der Devisenkurs weiter so steigt, kann man gespannt sein, wie Herr Erdogan dieses aussitzen wird, oder können.

Ein Vorteil hat es allerdings. Deutschland ist nicht mehr Nr. 1 Thema der türkischen Regierung.

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