Bahnhof Feneryolu, Nazim Hikmet Ran, Mustafa Kemal Atatürk

Bahnhof Feneryolu (Foto links) ist im Stadtteil Kadiköy auf der anatolischen Seite von Istanbul. Es ist eines der vielen Haltestellen, der momentan nicht mehr aktiven S-Bahn-Strecke von Haydarpascha (Zentralbahnhof auf der anatolischen Seite) bis Gebze, aber für die Schnellzüge auch bis weit in den Orient.

Feneryolu bedeutet übersetzt „Die Strecke zum Fener“, einem Stadtteil von Kadiköy Fener Bahcesi früher und jetzt Fenerbahce, wie der Fußballverein.

Feneryolu hat den Namen nicht, weil der Standort so heißt, sondern der Zug von dort aus zu Fener Bahcesi fährt.

Die Strecke kennt heute kaum jemand mehr. Ich kann mich erinnern, wie noch in 1970 der Zug mitten durch die Bagdat Caddesi fuhr. Damals wurden allerdings nur Werkzeuge und Schutt gefahren, keine Personen.

Auf dem Ticket seht ihr „Bifurcation“ erwähnt. Im Französischem bedeutet es ‚sich zweiteilender Weg‘.

Auf dem Ticket seht ihr auch, dass die uns bekannten Haltestellen bzw. Stadtteile wie, Bostanci, Erenköy, Göztepe vor allen Dingen alle anders geschrieben wurden.

 

 

 

 

 

 

Die Strecke Hayparpasa – Gebze soll am 22 September 1872 in Betrieb genommen worden sein. In dem Jahr wurde auch der Bahnhof Feneryolu fertiggestellt und auf diesen Namen getauft.

Der große türkische Dichter Nazim Hikmet Ran, wurde 1902 in Saloniki geboren. Er besuchte als Kind die Tasyapi Göztepe Schule und war beim Ordnungsamt in Kosuyolu eingetragen und wohnhaft. Wenn er nicht im Ausland, oder im Gefängnis war (für Journalisten und Schriftsteller ist die Türkei schon immer ein hartes Pflaster gewesen), hielt er sich immer im Stadtteil Kosuyolu auf.

Drei Monate nach dem er wieder mal aus dem Gefängnis kam, wurde Nazim zum Wehrdienst gerufen. Daraufhin setzte er sich mit einem Schnellboot über das Schwarze Meer Richtung Rumänien und von dort aus nach Russland ab.

Am 25. Juli 1951, zu Zeiten der Demokrat Parti wurde er ausgebürgert. 1993 kam heraus, dass er in Kosuyolu immer noch als Wohnhaft eingetragen war. Auch stand da, dass er türkischer Staatsbürger war. Der Ortsvorsteher hatte, wahrscheinlich bewusst, einen nicht existenten, anderen Nazim Hikmet Ran ausgetragen. Dieser Tatbestand wurde, als es 1993 festgestellt wurde, von der Regierung verschwiegen. Als die Ausbürgerung 2009 durch Ministerratsbeschluss rückgängig gemacht wurde, musste man nicht viel tun, er war immer noch in Kosuyolu eingetragen.

In Fener Bahcesi war ein Picknickplatz. Da aber dieser damals sehr schwer zu erreichen war, wurde die Strecke zu Zeiten des Sultans Abdülaziz errichtet. Auch ging man in Fener Bahcesi gerne im Meer baden. Dieses tat man an der Stelle, wo heute der Yachthafen ist. Damals soll es von Felsen umgeben gewesen sein.

1918 sollen die Briten in Fener Bahcesi stationiert gewesen sein. In den Erzählungen von damals heißt es, dass auf vielen Häusern britische Fahnen wehten.

1970 wurden die Schienen abgebaut und die Strecke gänzlich aufgegeben. Die Schienen, die über die Bagdat Caddesi führten, inkl. der Bahnschranke waren noch bis Anfang 80er Jahre vorhanden.

Haltestelle Fener Bahcesi

Die Haltestelle in Fener Bahcesi war von 1872 bis 1928 ununterbrochen im Betrieb. 1936 wurde es dann von den staatlichen Eisenbahnbetrieben TCDD abgerissen und durch ein Wohnheim für Bahnarbeiter ersetzt worden.

Nur, vor dem Abriss passierte es, dass sich Atatürk ankündigte. Sofort wurde die Strecke, die nicht mehr benutzt wurde, auf den Vordermann gebracht.

Hinten im Bild sieht man die Haltestelle Fener Bahcesi.

Saban Efendi und sein als Fischer arbeitender Sohn mussten das Gebäude bewohnten, mussten diesen sofort räumen. Die Fischernetze, die um das Bahnhofsgebäude in Fener Bahcesi, zum Trocknen aufgehängt waren, wurden entfernt. Am 17. Mai 1936 traf dann Atatürk, mit seiner Adoptivtochter Ülkü dort ein. Damals herrschte die Meinung, dass Atatürk in Fener Bahcesi eine Residenz haben sollte. Als er da aber die vielen Menschen sah, soll er gesagt haben: „Dieser Ort ist für einen Menschen zu viel, das Volk soll es nutzen.“  (“Burası bir insan için çoktur, halk istifade etsin“). Anschließend fuhr er nach Feneryolu und von dort aus nach Haydarpascha.

Wenn ihr in Fenerbahce, Richtung Meer fahrt, um Richtung Romantika abzubiegen, steht der markierte Baum genau in der Mitte der Kreuzung.

Share