Du wolle Rose kaufen?

Wir sind alle Verkäufer. Im Leben muss man unentwegt etwas verkaufen. Oft muss man sich gut verkaufen, damit man eine neue Anstellung bekommt.

Der Pförtner am Tor des Fabrikgeländes ist das Gesicht, das Gesicht des Unternehmens nach Außen hin.

Die Telefonistin ist die erste Stimme des Unternehmens, die man zu hören bekommt. Auch sie muss sehen, dass sie das Unternehmen gut präsentiert bzw. gut verkauft.

Kommen wir zur Türkei.

Ich weiß, unsympathischer kann ein Land, wo nicht mal ein Krieg stattfindet, nicht sein. Passiert schon mal, wenn der Verkäufer einem unsympathisch ist.

Auch beim Verkaufen ist es so, dass der Käufer in erster Linie kauft, weil er dem Verkäufer traut und ihn sympathisch findet. Stellt euch vor, ihr verkauft exakt das identische Produkt, was der Konkurrent auch anbietet. Auch die Preise sind identisch. Wer bekommt am Ende den Zuschlag? Derjenige, der dem Käufer am sympathischsten ist.

Dass dieser Tage die Türkei nicht viel Zuspruch erhält, ist also selbsterklärend.

Nun, das hätten wir abgehandelt. Kommen zum Wirtschaftswachstum von 5%, die seit gestern in allen Medien steht. Ich möchte es nicht weiter erläutern. Wer Ahnung von der Wirtschaft hat und die Zahlen entsprechend lesen kann, weiß schon was da abgeht. Wenn nicht, können Sie mich gerne buchen. 😊

Gehen wir weiter zu den Erfolgsmeldungen wie: „ABC AG investiert 50 Mio. EUR in eine Anlage und beweist sein Vertrauen in die Türkei.“

In der Türkei gibt es ca. 53.000 Unternehmen mit ausländischem Kapital. Auch, wenn in der letzten Zeit Syrer, Kataris, Saudis, Perser und Irakis die meisten Unternehmen gründen, zumeist Handelsunternehmen, so haben die EU- und die USA die meisten Unternehmen in der Türkei.

Verdienen tun zumeist nur die, die für den Export produzieren und auf die für europ. Verhältnisse niedrigen Löhne setzen. Auch die Zulieferer, die die Herstellerbetriebe beliefern, die für den Export produzieren, sind zumeist auf der sicheren Seite.

Auf dem Binnenmarkt ist Windstille. Nichts geht mehr. Zwar kann man die Konsumfreude immer wieder mal, wie zuletzt bei den Weißwaren geschehen, wo der Staat auf die Luxussteuer verzichtete und eine Kaufhysterie auf die Läger der Branche auslöste, steuern, aber wie lange und wie oft?

50 Milliarden USD sollen in den letzten Monaten zur Stützung der Wirtschaft an die Unternehmen von klein bis groß, ausbezahlt worden sein. Die Anträge für weitere Hilfen reißen nicht ab, lauten die Depeschen aus Ankara.

Kommen wir zu den Investitionen ausländischer Unternehmen in der Türkei. Neuinvestitionen sind weit und breit nicht in sich. Diese gibt es als Nachricht in der Erdo-Press, aber selten in der Realität. Das Wort „selten“ benutze ich mal, damit nicht einer jetzt mit einer saudischen, chinesischen, oder sonstigen Investition um die Ecke kommt.

Unternehmenskäufe gibt es. Schließlich bietet jede Krise eine Chance für gute Geschäfte. Über 3.000 Hotels stehen alleine zum Verkauf. Der Tourismus ist dieses Jahr, auch bei einigen vollen Hotels, ein Zuschussgeschäft geworden. Kommt davon, wenn man über den Preis verkauft. Der Tourist gab im Schnitt, nicht wie in den letzten Jahren ca. 780 USD pro Reise aus, sondern nur 611 USD.

Die nächste Zeit werden wir einige Investitionsnachrichten lesen. Das ist nur zu normal. Die in der Türkei befindlichen ausl. Unternehmen hatten schon vor Jahren die Pläne gemacht, zu expandieren. Jetzt geben sie nur einen Bruchteil von dem Frei, was sie im Kanal haben. Schließlich brauchen sie die Kapazitäten für die Weltmärkte, für die sie produzieren. Also kommt es nicht in erster Linie, durch das Vertrauen in die Wirtschaft der Türkei, sondern aus der Notwendigkeit heraus. Geschätzt halten sie über 80% der Investitionen aber zurück.

Wer auf Niedriglöhne und Investitionsanreize setzt und kein Wert darauflegt, wie sympathisch der Verkäufer ist, kann weiter in der Türkei investieren und profitieren. Wichtig ist aber, dass er produziert und am Export verdient. Die Marge im Lande gibt es nicht (mehr).

Noch eines sollte der ausländische Investor beachten!!! Wenn sie über ihr türkisches Unternehmen, Rohstoffe, Halbfertigerzeugnisse etc. aus dem türkischen Ausland importieren müssen, dann lieber draußen bleiben.

Die Devisenkurse würden sie, wenn sie keine Übung darin haben, niemals in den Griff bekommen und selbst bei guten Verkäufen, Verluste einfahren.

Die Wirtschaft ging z. B. von einem Mittelkurs des Euros für 2017 von 3,16 TL aus, nur liegt dieser fast 1 TL darüber.

Worauf müssen wir jetzt achten?:

  • Den unsympathischen Verkäufer übersehen
  • Nur in Produktionsbetriebe, die für den Export produzieren, aber wenig Teile importieren müssen, investieren, oder aber die Investitionsanreize in Anspruch nehmen, oder aber…

Nun gut, Verkäufer kommen und gehen. Man sollte sich dennoch positionieren, damit man für die Zeit danach gewappnet ist und den Markt und die gute geographische Lage nicht ganz aus der Hand gibt, denn die Konkurrenz schläft nicht.

Foto: Bastian Pastewka, tv

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