Wenn einem zum Thema nichts mehr einfällt

Das Leben in der Türkei geht weiter. Wie sollte es auch anders sein. Alles geht seinen Weg, gut oder schlecht. Für die Anhänger des Herrn Erdogan jetzt mit der ganzen Wahrheit aufwarten zu wollen, bedeutet gegen Windmühlen kämpfen.

Es ist alles gleich tausendfach gesagt und durchleuchtet worden. Es ist zu eindeutig und durchsichtig, was in der Türkei abgeht. Natürlich für den, der in der Lage ist alles neutral zu betrachten und das Vermögen und Wissen dazu hat, die Geschehnisse aufzuarbeiten.

Trotz der guten Wachstumszahlen (die immer nach neue Formeln errechnet werden, damit sie positiv ausfallen), sieht es für die Masse der Türken in Wirklichkeit ganz bitter aus. Ich lebe davon, dass es der Türkei gut geht und ich neue Investoren aktivieren kann, also habe ich keinen Grund, die Situation dramatischer zu schildern als es ist.

Auch in der Krise gibt es Branchen, die gut verdienen, aber soll es sie nicht geben? Gut so!

Die Menschen sind trotz der Krise immer noch in Kauflaune, natürlich auf Pump. Die Konsumfreude geht momentan nicht über die ganze Breite der Wirtschaft, sondern punktuell. Streich der Staat die Steuern für die Weißwaren, sind alle Läger leer gekauft. Trifft man also einen aus der Branche und fragt ihn, wie es um die türkische Wirtschaft steht, zeigt er auf die leeren Weißwarenläger. Also geht es der Wirtschaft gut, denkt der Fragende. Dabei schließen täglich hunderte von Unternehmen. Nichts geht mehr am Markt. Fast alle Einkaufszentren haben Mietnachlässe gewährt, dennoch kenne ich EKZ’s, wo 70% der Mieter mit mehreren Mieten im Rückstand sind. Manche Einzelhändler, die vorher gut im Geschäft waren, machen tagelang keine Umsätze mehr.

Die Planungen für 2017 wurden von einem TL | EUR Umtauschkurs von 1 EUR = 3,16 TL gemacht. Die EUR steht bei knapp 4,12 TL und wird weiter steigen. Wenn man bedenkt, dass viele Vereinbarungen und Mietverträge auf Devisen-Basis abgeschlossen sind, kann man erahnen, wie die Unternehmer kämpfen müssen.

Auf dem Inlandsmarkt ist die Marge dahin. Viele sind froh, wenn etwas Bares reinkommt, dass man einige Rechnungen begleichen kann. Bezahlt wird nur das, was man bezahlen muss. Alles andere kann liegenbleiben.

In der Türkei gibt es kaum freie Presse mehr. Die Erdo-Medien denken sich ihre Wahrheiten aus und streut es über die gesamte Breite der Gesellschaft. Die sogenannten Journalisten dieser Medien sind eigentlich die Storyteller.

Mehr mag ich auch nicht schreiben. Ich müsste mit noch mehr Wahrheit kommen, nur für wen? Interessiert doch niemanden.

Die Türkei wird momentan nicht regiert. Es geht nur um Machtsicherung und Vetternwirtschaft. Was haben die Anhänger des Herrn Erdogan davon? Was für ein Mehrwert hat die Türkei davon? Nichts!

Echte Fans eben!

“Was findest du an Herrn Erdogan gut?”

“Alles!”

“Alles ist zu allgemein. Drück dich klarer aus, was findest du so gut an ihm?”

“Alles halt. Bist du Terrorist oder was?”

So in etwa entwickelt sich die Konversation. Dass jetzt eine angeblich deutsche Partei zum Wahlboykott in Deutschland aufruft, oder der Präsident Wahlempfehlungen ausspricht, wo er doch nachweislich kein Meister der Diplomatie ist (siehe die ehemals befreundeten jetzt verfeindeten Nachbarn der Türkei), ist sicher die Ablenkung von was anderem. Was es ist? Keine Ahnung!

 

 

 

 

 

 

 

 

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