Beşiktaş, Çarşı, Süreyya, das Kind ohne Namen u.v.a.m.

Die fünfjährige Grundschule schafft er in 7 Jahren und geht danach nicht mehr zur Schule. Als Hilfsarbeiter heuert er in Yesilcam (dem türkischen Hollywood der Filmindustrie) an. Bring dieses, nimm jenes, platziere die Requisiten da und dort, ab und an als Passant im Film unterwegs, so vergehen die Jahre. Es macht Spaß, eine farbige Welt ohne Sozialversicherung und den Status des Tagelöhners. Dann trifft er seinen Grundschulfreund Ziya Dogan. Ziya ist ein berühmter türkischer Fußballer bei Besiktas Istanbul. Er sagt zu ihm, dass er Zeugwart werden möchte. „Hast du Erfahrung damit?“ fragt ihn der Ziya. „Nöö, eigentlich habe ich das noch nie gemacht“ antwortet er. Die Art seines Ex-Klassenkameraden gefällt ihm. „Komm morgen zum Seref Stadion“ sagt er zu ihm.

Einmal angekommen, ging er dort nie wieder weg. Süreyya Soner ist seit 35 Jahren bei Besiktas Zeugwart. Er hat zwei Kinder, nur die Geburten erlebt er nicht mit. Beim ersten Kind war er gerade im Wintercamp der Mannschaft in Zypern, Trainer war Gordon Milne. Dort bekommt er die Nachricht, dass er Vater eines gesunden Jungen wurde. Nur muss er noch satte 22 Tage in Zypern verbringen.

Er ruft seine Frau an und sagt: „Gibt dem Jungen keinen Namen, ich gebe ihm den Namen des Spielers, der in der Rückrunde das erste Tor der Mannschaft schießt.“

In der ersten Woche spielt die Mannschaft 0:0 gegen Trabzon. In der zweiten Woche dann ebenfalls ein 0:0 gegen Genclerbirligi. Die Woche darauf spielt die Nationalmannschaft. So vergehen nochmals weitere 15 Tage. In der Woche darauf ist er sicher, sein Sohn wird einen Namen bekommen, denn die Mannschaft von Karabükspor ist schwach, da fallen bestimmt viele Tore, denkt er.

Direkt zu Beginn des Spiels fällt schon der erste Tor. Walsh ist der Torschütze. „Verdammt“ denkt er, einen englischen Namen kann er dem Sohn nicht geben. Er geht zu Spieler Feyyaz und sagt: „schießt doch bitte einer von Euch ein Tor, damit das Kind einen Namen hat.“

„Mach dir keine Sorgen, in der zweiten Halbzeit schießen wir bestimmt noch ein Tor.“ sagt Feyyaz. Tatsächlich fällt das zweite Tor. Walsh ist abermals der Torschütze.

Nach dem Spiel sagt Feyyaz zu ihm: „Mach dir keine Sorgen, kommende Woche spielen wir gegen Bursa, da fallen genug Tore.“ Ihm platzt der Kragen: „Ach hört doch auf, wenn es nach euch geht, wird der Junge sein Militärdienst ohne Namen ableisten, ich werde ihn nach meinem Vater nennen.“

Er ruft seine Frau an und sagt: „Wenn das nach denen geht, werden sie wohl kein Tor mehr schießen. Er soll wie mein Vater ‚Sevki Yasin‘ heißen.“

Das zweite Kind wir eine Tochter. Er ist gerade mit der Mannschaft und dem Trainer Del Bosque in der Schweiz. Ihn erreicht die Nachricht, dass er Vater einer Tochter geworden ist. Alle gratulieren ihm. Trainer Del Bosque ruft ihn zu sich und sagt was. Er versteht nichts und ruft den Dolmetscher.

„Es regnet, hast du deine Tochter nach dem Yagmur (Regen) genannt?“ Süreyya lässt sich das nicht zweimal sagen. Er ruft seine Frau an und sagt: „Del Bosque hat unserer Tochter den Namen Yagmur gegeben.“

Die lustigen Ereignisse in seinem Leben nehmen kein Ende. Einmal ist er mit dem Trainer Tigana in Antalya. Es geht um den Efes Cup. Der Gegner ist Galatasaray. Hinter der Spielerbank sitzt ein Fan und flucht wie ein Wilder. Für Tigana findet er unschöne Worte, dem Spieler Tayfun sagt er, dass er zu alt zum Fußballspielen sei, dem Spieler Okan von Besiktas sagt er, dass er einer von Galatasaray ist, dem Sergen sagt er: „Geh doch auf Pferde wetten, das kannst du bestimmt besser.“
Er hält es nicht mehr aus. Steht auf und geht zum Fan. „Lieber Freund, das schickt sich nicht. Das Spiel hat doch gerade erst angefangen. Setzt dich hin und schau dir in Ruhe das Spiel an, sonst hole die Polizei.“

Der Zuschauer: „Du Typ mit dem Schnäuzer, ich komme seit Jahren zu den Spielen und ich kenne dich. Du bist seit Jahren nur Ersatzspieler. Das gibt es doch nicht, dass einer nicht einmal schafft in die Hauptmannschaft zu kommen.“

Alle kennen ihn auf der Reservespielerbank sitzend. Doch in den früheren Jahren, als es noch keine Security in den Stadien gab, saß er in der Umkleidekabine und das, als das Spiel lief. Denn er musste auf die Sachen der Fußballer aufpassen. Das Spiel hörte er sich dann im Radio an. Mitten im Stadion und doch das Spiel vom Radio hörend.

Wie viele Länder er gesehen hat, kann er sich nicht mehr erinnern. In 35 Jahren hat er nicht einmal an zwei aufeinanderfolgenden Tagen frei genommen. Um 7 Uhr steht er auf dem Trainingsgelände, auch wenn nicht trainiert wird. Wenn die Trainer die Trainingspläne am Trainingsgelände aushängen, macht er sich davon eine Kopie und hängt es auch zuhause auf.

Einmal ruft ihn seine Frau an und sagt, was er für den Abend an Lebensmitteln zu kaufen hat. „Frau, ich bin in Diyarbakir, wie soll das gehen?“

Im ersten Jahr, als Toni Schumacher bei Fenerbahce spielte, ist er mit Besiktas zum Derby im Saracoglu Stadion von Fenerbahce. Toni sagt den Journalisten: „Dem ersten, der mir ein Tor schießt, werde ich eine goldene Uhr schenken.“ Ferdinand schießt das Tor und Besiktas gewinnt sogar. Unser Typ geht zum Ferdinand und sagt: „Du hast doch schon alles, was willst du mit einer goldenen Uhr, gib ihn mir.“ Ferdinand stimmt dem zu. Unser Mann geht dann in die Umkleidekabine von Fenerbahce. Totenstimmung, die Mannschaft hatte gerade eine Schlappe einstecken müssen. Zu der Zeit war Oguz der Kapitän von Fenerbahce. Er geht zu Oguz und sagt: „Ich bin gekommen, um die Uhr abzuholen.“ „Wenn du Manns genug bist, geh hin und sag ihm das selber.“ ist die Antwort von Oguz.

Unser Typ kennt da nichts. Er geht rüber zu Schumacher und zeigt auf sein Handgelenk und sagt auf Türkisch: „Wenn ich um die Uhr bitten dürfte.“ Toni nimmt seine Fußballschuhe und schmeißt nach ihm und jagt ihn aus der Umkleidekabine. Er hat die Fußballschuhe von Schumacher in der Hand und geht zu Ferdinand. „Mit der Uhr hat es nicht geklappt, aber ich habe die Schuhe bekommen.“

Er lässt den Fußballstar Queresma an seiner Lieblingsmusik teilhaben und lässt ihn Ümit Tokcan, Sabahat Akkiraz und Arif Sentürk, hören. Das sind Schnulzensänger aus der Türkei. Dabei hört Queresma grundsätzlich nur Heavy Metal. Mit ausländischen Fußballern schaut er bei Auswärtsspielen türkischen Komödien früherer Jahre an und lässt die ausl. Spieler türkische Speisen verkosten. Als der von Tausenden empfangene Trainer Toshack nach der Entlassung Istanbul verlässt, ist er der einzige, der ihn am Flughafen verabschiedet.

Obwohl er kein Wort Fremdsprachen spricht, erzählt er den ausländischen Spielern türkische Witze. Sie lachen darüber, sie mögen ihn.

Das erste Mal in seinem Leben, bringt sein Onkel ihn mit 7 Jahren zu einem Spiel von Besiktas. Der Gegner war Altay. Diese hatten auch schwarzweiße Farben. „Welche Mannschaft ist unsere?“ hatte er gefragt. Der Onkel sagte: „Die mit dem Adler auf der Brust.“ So fing für ihn das Abenteuer Besiktas an.

Dann das letzte Spiel im altehrwürdigen Inönü Stadion, bevor es abgerissen und neu gebaut wurde. In der Umkleidekabine bereitete er die Trikots vor. Die Fußballer kamen runter zu ihm und sagten „Abi (so nennt man den großen Bruder), die Tribünen rufen nach dir. Am Feld angekommen, hört er auch: „Süreyya, Süreyya!“ Er konnte es nicht glauben. Die Zuschauer verlangten, dass er sie zu einem dreifach ‚Hip hip, hurra‘ einstimmt. Er tat es. Diese Ehre wurde in der Geschichte, als Nichtfußballer, nur ihm zuteil. Die Besiktas-Ultras, die Carsi-Gruppe, ließ ihm diese Ehre zuteilwerden.

Kein anderer in der Mannschaft, kein Trainer, kein Präsident, kein Fußballer hat so viele Pokale und Meisterschaften erlebt, wie er. 1981 war er bei der Meisterschaft genauso dabei, wie dieses Jahr auch.

Was in den Filmstudios von Yesilcam anfing, war eigentlich ein Liebesfilm besonderer Art. Der Film zeigt aber auch, wenn einer mit Liebe und Herzen seine Dienste tut, schafft es sogar als Hauptdarsteller auf die Bühne der großen Stars.
Im Internet aufgeschnappt und von mir ins Deutsche übersetzt, für die Freunde von Besiktas und der Carsi-Gruppe, der einzig wahren Gruppierung in der Türkei, der dem Unrecht immer das Stirn bietet
und bieten wird. Hoffe ich!

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