Wenn man die AGB’s beachtet, ist man in Istanbul freier als in Deutschland.

Istanbul würde ich niemals verlassen. Der Prachtvolle Bosporus, die Brücken, die Straßen voller Menschen. Wer diese Schönheit sieht und lebt, kann sich kaum vorstellen hier wegzugehen.

Übrigens, diese Schönheit sehen nur die aus dem Ausland kommenden, dazu zählen auch die Deutschtürken. Die Einheimischen haben es von den Eltern gehört, oder in den Büchern und Prospekten gelesen, wie schön Istanbul ist.

Viele Menschen hier leben unter dem Existenzminimum. Folglich haben sie nicht die Muße dafür, diese Schönheiten zu sehen. Dennoch, sie schweigen und meutern nicht und das nicht erst seit Erdogan.

Türken sind genügsame Menschen, oder soll man sagen schweigsame? Jedenfalls begnügen sie sich mit immer weniger.

Dieser Tage steigen die Preise an allen Fronten und das, was man in der Tasche hat, reicht für noch weniger aus.

Das Leben geht weiter.

In Istanbul fühlt man sich freier. Viel freier als irgendwo in Europa. Besser als in Deutschland, wo alles vorgeschrieben erscheint, alle Male. Sicher, dort kann man ausbrechen und sich die Freiräume schaffen, nur hat man sich an das reglementierte gewöhnt, die Leitplanken stehen nun mal. Man schätzt die Ordnung und kann sich eigentlich so ein Leben, sagen wir mal wie in Istanbul, gar nicht vorstellen.

In Istanbul, oder in den westlichen Metropolen der Türkei, kannst du außerhalb des Systems leben. Das geht aber nur dann, wenn du dich der Politik nicht einmischst, das Unrecht-Regime Erdogans übersiehst, keine Kommentare abgibst und nicht in den sozialen Medien dich tummelst.

Noch besser ist, wenn du Rente aus Deutschland beziehst, bei einem deutschen Arbeitgeber beschäftigt bist, Pünktlich dein Gehalt bekommst und Zeit hast die schönen Dinge zu sehen und zu leben.

Leben und leben lassen. Hier geht jeder seinen Weg. Die Anderen, sind die Anderen, man ist auf sich fixiert und kümmert sich nicht darum, was andere machen, oder wie sie leben. Sicher, hinter vorgehaltener Hand redet man evtl. über dich, aber davon bekommst du ja nichts mit.

In der Türkei ist das Unverbindliche Trumpf. Die Menschen sind, trotz Überlebenskampf, wesentlich gelassener unterwegs. Das Wort „circa“ hat hier Hochkonjunktur.

„Wir sehen uns dann am Vormittag!“ „Wann Vormittag?“ „Gegen Mittag hin!“ „Aha!“
Am Ende kommt es nicht zu dem Treffen, ist auch egal, dann halt ein anderes Mal. Diese Einstellung muss du dir erst einmal aneignen, sonst fühlst du dich hier nicht wohl.

Istanbul ist groß, gewaltig groß. Diese Größe kennt der Europäer nicht. Der Londoner, der Pariser, oder der Berliner evtl., nur gibt es dort Regeln, die einen einengen und die Größe nicht so leben lassen, wie das in Istanbul der Fall ist. Die Stadt hat schon viel erlebt in der Geschichte und steht immer noch, also was kann schon schlimmeres passieren? Auch Erdogan wird die Stadt überleben, ob ich es schaffe, ist eine andere Frage.

Eigentlich habe ich die eine Grundvoraussetzung nicht erfüllt, um sich in Istanbul wohl zu fühlen, um hier ungestört weiterzuleben. Ich hatte eine eigene Meinung und die habe ich kundgetan.
Deshalb schreibe ich heute aus Berlin. 😉

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