DU TRINKST TEE? DU LIEBST TÜRKISCHEN TEE? DANN MUSST DU DAS HIER LESEN!

Dieser Tage läuft eine Falschmeldung (laut der offiziellen Mitteilung des Unternehmens), dass Caykur, das staatliche Unternehmen, nach Katar verkauft wurde. Stimmt, das Unternehmen wird und muss, über kurz oder lang, verkauft bzw. privatisiert werden. Eigentlich muss man ein Visionär oder aus der Seilschaft des Herrn sein, wenn man solch ein marodes Unternehmen, welches nur von Subventionen lebt, übernimmt.

Auftrags bedingt machte ich mich 2014, über den türkischen Tee her und erfuhr schier Unglaubliches.

Sage und schreibe 204.000 Familien leben in der Türkei vom Tee-Anbau. Pro Familie sind das dann ca. 4-4,5 Hektar, die sie besitzen. Bei dieser Fläche kann man ca. 4,8 Tonnen Tee im Jahr ernten. Das bringt der Familie satte (!) 2.500 TL/Jahr (momentan ca. 600 Euro).
Im Monat sind dies dann 200 TL für die Familie. 1/7 des gesetzlichen Mindestlohnes. Ein Leben unter der Armutsgrenze. Für all diese Familien ist der Tee-Anbau mittlerweile zum Zusatzverdienst bzw. Gewohnheit geworden, der sie traditionell bedingt, nachgehen. Leben kann man davon nicht.
Der Staat subventioniert weiterhin den Ex-Monopolisten Caykur (der Staatsmonopol wurde 1984 aufgehoben) und sorgt für Ungleichgewicht auf dem Tee-Markt. Dieses wird umso unverständlicher, wenn man weiß, dass Caykur ebenfalls privatisiert werden soll, wie die meisten Staatsbetriebe.

10-15% des Tees ist Schmuggelware, welches sogar ordentlich statistisch erfasst wird. Trotz Zustürzen sind die Felder über 50 Jahre alt und der Tee grundsätzlich von schlechter Qualität (Nicht denken, dass dieses meine eigene Meinung bzw. Bewertung ist. Der Züchterverband schreibt das selber in ‘Türkiye Siyah Cay Raporu’ von 2009). Traurig und witzig zugleich finde ich die Tatsache, dass gerade in den Gegenden der Türkei, wo Tee angebaut wird, der meiste Schmuggeltee konsumiert wird (steht auch in dem o.g. Bericht).

Des Türken Nationalgetränk (96% der Türken trinken Tee täglich und mit über 3kg/Kopf/Jahr Nr. 1 weltweit) beinhaltet neben den Teeblättern, die verarbeitet werden, auch sehr viel Holz von den Ästen. Wenn man also auf den tollen Geschmack des türkischen Tees schwört, dann kann es durchaus sein, dass es vom guten Holz kommt.
Tee aus Teebeuteln kommt immer mehr zum Tragen. Die jährlichen Steigerungen liegen bei 20-25%. Wenn vor den Fast-Food Läden 15 Mopeds für den Bring-Service stehen, zeigt dieses, dass der türkische Konsument ein bequemer Zeitgenosse ist. So wird es nicht lange dauern, dass die Teebeutel ein Teil unseres Lebens werden. Nach dem, was ich in der letzten Zeit über türkischen Tee erfahren habe, muss ich über die Damen schmunzeln, die sagen, wenn sie erfahren, dass der Tee aus dem Beutel kommt: “Wusste ich sofort, den Papiergeschmack konnte ich rausschmecken.” Du schmeckst nicht einmal das Holz, was dem Tee beigemischt ist, wie willst du da das Papier rausschmecken, welches absolut geschmackneutral ist? Die Antwort folgt auf dem Fuße: “Ich kann das!” Typically Turkish.

Türkei hat die 7. größte Fläche weltweit, wenn es um die Teeanbauflächen geht. Bei der produzierten Menge liegt die Türkei an 5. Stelle. Jetzt hat der Autor Remzi Caglar in seinem Buch “Caylar Sirketten” (Die Tees gehen auf die Firma) die Warnungen ausgesprochen, auf die ich schon vor einiger Zeit hingewiesen hatte. Früher konnten von einer Anbaufläche mehrere Familien sich ernähren. Heute müssen alle, wie oben bereits erwähnt, Nebenerwerbsquellen suchen. Sie sind, ausschließlich von Tee, nicht existenzfähig.

Wenn Tee angepflanzt wird, kann man die erste Ernte erst nach 4 Jahren erwarten. Die Pflanze hat eine Lebenserwartung von 100 Jahren. Die beste Qualität bekommt man, wenn die Pflanze 10-15 Jahre alt ist. Wenn man die Türkei betrachtet, kann man sagen: “Das war mal!”. Die türkischen Teepflanzen werden bald 100 Jahre alt und müssten dringend durch neue ersetzt werden.

Bei sehr wohlwollender Einschätzung wird es in 20 Jahren kein türkisches Tee mehr geben. Wie die Energieimporte, wird auch Tee eine Importware. Importe, die zwingend notwendig werden würden, zumal der Türke ohne Tee nicht überlebensfähig wäre.

Der schlechte und unsachgemäße Umgang mit dem Dünger, wird diese Zeitspanne sogar noch beschleunigen, denken die Fachleute. Wie in 1938 müssen neue Teeanbaugebiete erschlossen werden.
Nur, vier Jahre ohne jegliche Einnahmen warten? Nun gut, wie oben erwähnt, könnten einige auf die Subventionen scharf sein.

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