Türkei-Tourismus: Der Grund für das Debakel ist nicht nur der Terrorangst

alanyablogDie Tourismusindustrie der Türkei blutet aus. Viele sehen den Hauptgrund in den Terroranschlägen mit vielen Toten und der politischen, chaotischen Lage im Lande.

Sicher, dieses sind u.a. die Gründe für das Wegbleiben der Touristen.

Das der Hauptgrund ein ganz anderer ist und es in unseren Händen ist, dieses zu beeinflussen und zu unserem Vorteil zu verkehren, übersehen viele.

Als Beispiel möchte ich hierbei die deutschen und die skandinavischen Touristen nehmen und deren Verhalten gegenüber dem Urlaubsland Türkei, miteinander vergleichen.

Wie bekannt braucht der Deutsche jedes Jahr seinen Urlaub. Sonst macht das Leben keinen Sinn. 80 Mrd. EUR müssen ihren Bestimmungsort finden, denn so hoch sind die durchschnittlichen Tourismusausgaben der Deutschen im Jahr.

Türkei war schon immer ein Lieblingsziel der Deutschen und auch der Skandinavier. „Ach, die Türken sind so gastfreundlich!“ Schalt sicher in all unserer Ohren. Sind sie auch. Sie lieben die Touristen, nur untereinander sind sich die Türken nicht grün. Was diese Bemerkung jetzt hier verloren hat?

Dieser Zustand, dass die Türken nach 15 Jahren der Einparteienregierung sich untereinander nicht riechen können und in den Köpfen eigentlich tief gespalten sind, führt dazu, dass man verbal, lauthals, aber auch mit Aktionen, auf fremden Boden, sprich Deutschland, dieses kundtut.

Stell dir vor, du bist Türke und hast Italiener im Land, die auf türkischem Boden, wo sie leben, für oder gegen irgendetwas in Italien demonstrieren. Dabei laut und handgreiflich werden. Würdest du die Italiener sympathisch finden und in Italien Urlaub machen? Erst einmal nicht, warum auch, schließlich gibt es noch so viele andere schöne Urlaubsländer als Alternative.

Jetzt wirst du sagen, der kommt aber wieder mit Kritik und möchte uns schlecht machen als Deutsch-Türken. Weit verfehlt! Meine Feststellung stimmt. Der Beweis dafür liefern die Skandinavier. Ich greife Alanya auf, da wo ich mich 100%ig auskenne.

Während die Buchungen deutscher Reisende für 2017 miserabel sind, gibt es bei den Skandinaviern ein geringerer Rückgang zu verzeichnen.

Da war doch was mit dem Terrorangst? Sollte das nicht bis Skandinavien durchgedrungen sein?

Klar, sie haben den identischen Informationsfluss, nur bis auf eine einzige Tatsache: Sie haben keine türkisch Stämmige im Land, die für ein Unrechtregime in der Türkei, auf schwedischem Boden, auf die Straße gehen.

„Sympathie“ ist ein wesentlicher Faktor, bei jeder Entscheidungsfindung.

Bekomme ich ein Beratungsauftrag, dann nicht nur deshalb, weil ich erfahren und gut bin, sondern auch weil ich sympathisch daherkomme. Wäre ich nur gut und total unsympathisch, müsste ich mich nicht wundern, wenn der Auftraggeber weiterzieht.

Bei einer Urlaubsbuchung sieht es auch nicht anders aus. Das Land und die Menschen müssen einem sympathisch sein. Nur davon ist die Türkei momentan weit entfernt. Die Deutsch-Türken, die bei den o.g. Aktionen mitgemischt haben, sind mit schuld.

Die Skandinavier machen weiterhin Urlaub in der Türkei. Die Buchungen sind genauso hoch, wie immer. Bis auf eine Ausnahme, dass die Saison, nicht wie in den letzten Jahren Mitte März beginnt, sondern wegen dem späten Ostern, erst Mitte April.

Bitte jetzt nicht um die Ecke kommen und sagen, dass es auch andere Gründe gibt, für den Rückgang der Touristenzahlen. Klar, das weiß ich. Unsympathische Politiker, die jeden Tag in den Medien sind, gibt es auch.

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