Des einen Freud, des anderen Leid – Schlaraffenland Türkei, aber nicht für jeden

döviz

“Hast du gehört? Die Devisenkurse und der Goldpreis sind gestiegen.” “Warum interessiert das uns?” “Stimmt, warum habe ich mich davon so mitreißen lassen!?”

Für diejenigen, die von Euros in der Türkei leben, habe ich eine gute Nachricht: Die EUR wird, gegenüber der TL, immer mehr wert sein.

Ganz anders sieht das natürliche die türkische Wirtschaft. Die Zentralbank der Türkei hatte für die Jahre 2017 bis 2019 einen USD Mittelwert von 3,18 TL vorhergesagt. Nur liegt der Kurs schon nach 1,5 Monaten des Jahres bei 3,73 TL. Um den vorhergesagten Kurs von 3,18 TL Durchschnitt zu erreichen, müsste der USD in den kommenden 10 Monaten bei 3,10 TL stehen. Natürlich ein Ding der Unmöglichkeit.

Die Unternehmen in der Türkei müssen dieses Jahr, 65,8 Mrd. USD (Merkez Bankasi/Zentralbank der Türkei) Auslandsschulden begleichen. Die Unternehmen gingen für die Rückzahlung von einem Mittelwert von 3,18 TL aus. Jetzt liegen wir aber 0,55 TL über diesem Kurs. Das bedeutet für die Unternehmen unvorhergesehene 36.000.000.000 TL Mehrbelastung und das bei immer schlechter laufenden Geschäften.

Dass für den starken Wellengang der Kurse nicht die Ausländer die Schuld tragen, kann man leicht erklären. Diese haben ihre Gelder schon größtenteils raus gezogen als der USD bei 3,20 TL lag.  Schuld an den steigenden Devisenkursen sind die Unternehmen selber, die darauf aus sind, was nur zu verständlich ist, am freien Markt, günstig Devisen für die Rückzahlung der Auslandsschulden zu kaufen. Sobald der Kurs etwas gesunken ist, decken sie sich mit Devisen ein. Nur die Ware, also der USD bzw. EUR sind knapp auf dem Markt. Mit der steigenden Nachfrage steigt auch der Kurs.

Die Devisenkurse steigen also, bereinigt von einigen globalen Einflüssen, hauptsächlich durch türkischen Unternehmen selber.

Für 143 Mrd. USD hat die Türkei in 2016 exportiert und für 199 Mrd. USD importiert. Der Leistungsbilanzdefizit beträgt somit 56 Mrd. USD. Wahrlich eine gewaltige Summe. Die Regierung rühmt sich, dass der Leistungsbilanzdefizit 2016 geringer ausgefallen ist als sonst. Nur kann man diese Aussage als eine Art Täuschung abtun. Schließlich sind die Exporte zurückgegangen. Wenn man weiß, dass die Türkei, um Waren im Wert von 100 USD zu exportieren, für 82 USD (Rohstoffe, Energie, Halbfertig-Erzeugnisse, Teile, Maschinen etc.) importieren muss, wird einem klar, warum die Schere um den Leistungsbilanzdefizit geringer wurde. Exportiert das Land weniger, muss es weniger importieren. Das ist die eigentliche Erklärung für den Misserfolg, welches als Erfolg verkauft wird.

Man muss keine hellseherischen Fähigkeiten haben. Die Devisenkurse werden immer weiter steigen. Parallel dazu wird es, wie vor jeder Wahl, Erfolgsmeldungen geben, dass die Türkei wieder mal Erdölvorkommen vor der Schwarzmeerküste entdeckt hat. So eine Meldung wirkt schon mal 1-2 Tage, dass die Stimmung auf Positiv umkehrt. Dann war es das aber auch.

Wo sollen die nachgefragten Waren, sprich Devisen, herkommen? Über den Export und Tourismus. Können wir beides in einem Jahr verdoppeln, oder gar beträchtlich erhöhen? Nein!

Für die, die mit Deviseneinnahmen in der Türkei leben, wird die Türkei weiter ein Schlaraffenland bleiben. Für den Türken aber, genau das Gegenteil davon.

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