GLÜCKAUF MEIN LIEBER OPA, MEIN HELD

haliciCanım Dedem und auch die vielen Kumpels die nicht das Glück hatten so Alt zu werden wie er.
Viele an den Spätfolgen der Untertage zu früh verstorben.
Heute ist der Gedenktag an die Hl. Barbara.
Sie ist die Schutzpatronin der Bergleute.
Mein Opa kam Anfang der sechziger Jahre nach Deutschland und zwar nach Gelsenkirchen.

Die Zeche HUGO war für ihn und viele seiner Freunde bis zur seinem Rentenalter ein Lebensmittelpunkt. Ich erinnere mich, wie ich als kleines Kind ihnen lauschte. Von der Zeit, als Sie im “Heim” für die Bergmänner lebten… Sie erzählten sich von dem Aufzug, der alle Tief in die Erde brachte, von dem Schacht und den Wagons voller Kohle… von den KAMERADEN die durch Unfälle verletzt wurden ja sogar Ihr Leben dort gelassen haben.

Für mich als Kind war mein Opa ein Held der jeden Tag, für einige Stunden, diese Welt des Lichtes eintauschte und Tief in die Erde stieg. Immer hatte er die Schwärze des Kohlenstaubs um Seine Augen . Und immer noch trägt er Taschenuhr, die er von seinem Steiger als Zeichen Seines Fleißes und seines langen Dienstes als Anerkennung Geschenk bekam.
Er war ein stolzer Bergmann!
Aus dem Herzen Anatoliens, ein Kumpel in Gelsenkirchen dem man vertrauen konnte.
Ein damals junger Mann der heute mit seinen über 80 Jahren immer noch die PÜTTSPRACHE spricht.

….und jetzt etwas für die, die immer noch nicht verstanden haben, dass hier Menschen leben, die einfach zu diesem Land gehören, obwohl sie mit dem Wort Integration nichts anfangen können.
Mein Opa und seine Freunde aus der Türkei, haben dieses Land ein Stückchen mit aufgebaut, ohne Erwartungen…. und auch, ohne Hoffnung auf Anerkennung.

Danke Derya Halici (Enkelin). Jetzt, wo wir dein Opa kennen, ist er unser aller Held. Lange soll er leben. 🙂

Der Beitrag hat Sabine zu diesem Kommentar veranlasst: Danke für diesen schönen Text, der die Bergmänner und ihre Barbara ehrt. Als Bergmannstochter aus Bottrop sind alle diese Männer, die wie mein Vater tagein tagaus tief in die dunkle Erde (siebte Sohle) fuhren und harte Knochenarbeit für den Erhalt der Familien errichteten auch Helden. Insbesondere die, die aus der Landwirtschaft kamen und zuvor immer unter freiem Himmel arbeiteten und lebten, wie mein Vater. Als ich 17 Jahre alt war, hat er mich heimlich mit unter Tage genommen. Heute undenkbar. Und natürlich auch damals gegen alle Regeln und Sicherheitsvorkehrungen. Aber ich ließ ihm keine Ruhe, denn ich wollte wissen, wie das so aussieht unter Tage. Ich konnte mir das alles nicht vorstellen, wenn er davon erzählte. Und ja. Es ist unvorstellbar. Es dauerte lange, bis er einen geeigneten Tag fand. Er gab mir eine Knappenuniform und ich ging als junger Knappe durch. Drei Stunden unter Tage voller Maschinenlärm, Dreck, Staub, Dunkelheit Gestank, Gebrüll und Hitze. Unglaublich. Wie in einer anderen Welt. Nach diesem Abenteuer, voller Angst und Aufregung war mir mehr denn je bewusst, was das für “eine Maloche” das war. Zwei seiner engen Kollegen waren Türken. Sie hießen wirklich Ali und Mustafa und hatten riesige schwarze Schnurbärte vor ihren weißen Zähnen, die in der Dunkelheit beim Lachen wie Zuckerstücke blinkten. Mein Vater mochte sie besonders und er stellte mich ihnen vor. “Mein neuer knappe Peter”. “Sie gehören zu den Männern”, sagte er mir, “die sich immer freiwillig melden, wenn es heißt, bei Schichtende “den Karren aus dem Dreck zu ziehen”, und das passierte oft auf Prosper III. Auf sie konnte er sich verlassen, wenn andere Kumpel schon beim Bier in der Kaue saßen. Mustafa merkte, dass ich ein Mädchen bin und kein neuer Knappe Peter. Er nahm meinen Vater zur Seite und fragte streng und mit bösem Gesicht: “Steiger, was da los is?” Mein Vater erklärte ihm die ganze Geschichte. Am nächten Tag holte ich meinen Vater von der Schicht ab. In Zivil. Mustafa strahlte mich an und mein Vater lud uns alle auf ein Bier ein. Mustafa und ich waren begeistert voneinander. Die Kneipe hieß, ganz typisch Sobotka. Es lebe der Pott und seine Kumpel. Glück Auf!

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