Unsere ersten Messebesucher in D waren, Rechtsanwälte und 3 Polizisten

urtimSchon mal so ein Satz gehört?: „Aus Angst, der Kunde könnte, im Rahmen der Geschehnisse am 15.07. verhaftet werden, liefern wir schon mal nicht.“

Ähnliches gibt auch der Geschäftsführer vom Gerüst- und Werkzeugbauer Urtim, Herr Serdar Urfalilar, den ich Euch heute vorstellen möchte, von sich.

Wenn man bedenkt, dass fast 95% der türkischen Unternehmen familiengeführt sind, kann man diese Angst durchaus verstehen, wo doch schon mehrere Tausend Unternehmer verhaftet, wieder freigelassen, wieder verhaftet wurden. Ist der Big Boss weg, ist das Ende nah.

Kommen wir zu Urtim und Urfalilar, der das Unternehmen mit 30 Jahren vom Vater übernommen und zur heutigen Größe geführt hat.

Urfalilar sagt weiter, dass er momentan mit zwei ausländischen Partnern Gespräche zur Beteiligung an Urtim führt. Die Interessenten würden sehen, dass die Türkei ein Verbraucherpotantial von 400 Mio. Menschen und somit weit über der Zahl der eigenen Bevölkerung anspricht und als regionale Produktionsstätte hervorragend geeignet ist.

Urtim liefert Werkzeuge, Formen und Gerüste von Ghana bis Kanada. Urfalilar fühlte sich bis jetzt vom Staat im Stich gelassen und hofft, dass es im Rahmen der neuen Investitionsanreize, auch was für ihn dabei ist.

Das Erfolgreiche Familienunternehmen profitiert voll vom Standort-Türkei und den günstigen Löhnen.

Die Wachstumspläne sind auf 20 Jahre ausgelegt.

Auf die Frage, ob er sich als Türke in der eigenen Branche benachteiligt fühlt, antwortet er, mit einem Seufzer vorweg, so: „Klar sind wir benachteiligt. Die Ausschreibungsunterlagen werden von ausländischen Unternehmen erstellt. Diese Schreiben ausländische Marken rein und erwähnen, dass gleichwertige Produkte ebenfalls in Frage kommen. Natürlich geht man zuerst zu den genannten Marken. Wenn der Zwang, dass man einen türkischen Partner an der Seite haben muss, oder türkische Unternehmen bevorzugt behandelt werden sollen, nicht bestünde, würden die ausgeschriebenen Aufträge allesamt an uns vorbeigehen.“

go2tr.de:  Bei den Ausschreibungen dürfen die türkischen Unternehmen 15% höheren Preis als die ausländischen Anbieter haben.

Unsere ersten Messebesucher in Deutschland waren Rechtsanwälte und drei Polizisten

Urfalilar weiter: „Auf der größten Messe unserer Branche in Deutschland, sind wir jedes Jahr vertreten. Wir haben so einen tollen Platz, dass wir mitten unter den Größten sind. Würde ich kein neues Produkt haben, so würde ich, um diesen Stand nicht zu verlieren, dennoch bei dieser Messe teilnehmen.  In diesem Jahr haben wir gesehen, welch eine Konkurrenz wir darstellen. Unsere Konkurrenten kamen mit Anwälten und 3 Polizisten zu unserem Stand. Sie nahmen Bezug auf ein Model und dem Text in unserem Katalog. Wir hatten dort einen Satz zu wenig geschrieben. Wir hätten darauf hinweisen müssen, dass da beim Einsatz des Gerätes eine Zusatzzulassung nötig ist. Schon waren wir die ganze Messe lang, mit den Gerichten befasst. Diese Begebenheit hat uns stark gemacht. Wir wussten jetzt, dass wir für die Größten eine Gefahr bzw. ernstzunehmenden Konkurrenten darstellten. Das nächste  Mal werden wir auf Nummer sicher gehen und unsere Anwälte ebenfalls dabei haben.“

Urtim arbeitet Qualitäts- und Service orientiert. Von den 300 Angestellten, sind 60 in der Verwaltung, Vertrieb und Service.

Das Unternehmen verfügt über zwei Fabriken, von jeweils 21.000 m² und 15.000 m2. 90% der Produktion wird von Robotern erledigt.

Die Exporte nach Kanada und den USA hat dazu geführt, dass die Pläne, zur Übernahme, oder Aufbau eines Werkes in den USA gereift sind.

Urfalilar: „Ich und meine drei Geschwister sind in der Unternehmensführung. Früher, wenn z.B. mein Bruder meinen Vater fragte, ob er freihaben darf, sagte mein Vater immer ‚Frag deinen Bruder‘. Er hat mich zu einer Vaterfigur erzogen. 2006 hat er sich vom Geschäft zurückgezogen. Seit dem kommt er nicht mal zum Kaffeetrinken hierhin.“

go2tr.de: Urtim ist eines der Beispiele, wie die Unternehmen, im Stillen, ihren Weg machen. Erfolgreich agieren fast ausschließlich nur die Unternehmen, die sich auf die Exportmärkte orientieren. Der Inlandsmarkt, das sagt auch Urfalilar, zu unsicher. Man kann nie sicher sein, dass der Geschäftspartner morgen noch da ist.“

www.urtim.com

Quelle: Zusammengestellt aus einem Interview in dunya-online.

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