„Wir möchten in den türkischen Markt einsteigen“

„Wir möchten in den türkischen Markt einsteigen.“ Das ist Musik für meine Ohren. Den Titel legt man aber in den letzten Jahren immer seltener auf, seit dem einer ununterbrochen das Verhältnis der Türkei zu allen Nachbarn dem Boden gleich gemacht hat.

Ich habe diesen Satz in den letzten Monaten 5 Mal hören dürfen. Eigentlich müsste ich, was Türkei-Beratung angeht, ein cooler Typ sein, denn 2017 bin ich 30 Jahre im Deutsch-Türkischen Business, aber nein, mein Puls schießt immer noch hoch. Ich spüre, wie ich rot im Gesicht werde. Das mit der Röte im Gesicht, muss aber kein Zeichen sein, passiert auch, wenn ich Blickkontakt mit einer Frau habe.
„Wie kann ich Ihnen behilflich sein?“ frage ich. Ich habe auch schon ein Plan, wie ich mit der Marke, oder dem Unternehmen erfolgreich in den Markt einsteigen kann. Da fällt mir messerscharf ein, dass ich ja noch gar nicht weiß, worum es geht. Wieder hatten meine eigenen galoppieren türkischen Gene mich überholt.
„Das Produkt ist konkurrenzlos und Sie werden als einer der Ersten auf dem Markt sein.“ sagt er. Das klingt schon mal nicht so gut. „…einer der Ersten“ bedeutet, dass da noch andere im Spiel sind. Also, Törkisch Piepel und Törkisch Bisness Män.
mlm„…Sie werden…“ bedeutet, dass ich kein Auftraggeber vor mir habe, sondern lediglich einen, der ein Produkt, über einen Mittler (in diesem Fall mich) an die Potentiale verkauft haben möchte. Auch, wenn die von mir meist gehassten drei Wörter nicht ausgesprochen werden, so weiß ich sofort, dass es sich um Multi-Level-Marketing handelt.
Normalerweise sollte da für mich Schluss sein, aber nein, denn ich bin ein höflicher Mensch. Ich kann nicht einfach auflegen. Mein Gegenüber schwört, dass es kein MLM ist, ganz im Gegenteil. „Was ist das Gegenteil von MLM?“ frage ich. „Wie, das Gegenteil von MLM?“. „Sie haben gesagt, dass es genau das Gegenteil von MLM ist. Deshalb frage ich Sie, was ist das Gegenteil davon?“. Er legte auf.

Was sind das für Menschen? Sie schauen sich mein Profil im Netz an und sehen, dass ich eine Masse an Kontakten habe. Wenn die Gewissenhaft vorgehen würden, müssten sie doch sehen, was für Kontakte das sind. Wenn ich bei MLM mitmachen würde, könnte sich das Ganze in etwa so abspielen:
Ich sitze mit einem CFO und Controller einer Bank am Tisch und versuche denen Dashboards für Entscheider zu verkaufen. Die bekommen eine Vorführung, sind begeistert und wir verabreden uns zum nächsten Termin. In dem Moment frage ich mein Gegenüber „Möchten Sie 250 Euro in wenigen Wochen verdienen?“, oder wenn ich für das andere MLM Unternehmen arbeiten würde: „Brauchen Sie Spülmittel, sehr günstig, biologisch abbaubar?“. Würg!

Foto: http://bit.ly/29fV3k4

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