Warum gibt es kaum türkische Traditionsunternehmen?

Die Produkte und Märkte unserer Zeit sind kurzlebig. Wer an den Produkten und Märkten, die er heute bedient, klebenbleibt, wird in naher Zukunft zugrunde gehen.

Alleine, wenn wir die Automobilindustrie nehmen. Der Trend geht zum Elektroauto hin. Was für Unterschied sehen wir bei einem Elektroauto zum herkömmlichen? Vorne und hinten ein Kofferraum. Wo sind all die Teile hin, die man von der Automobilzuliefererindustrie bezog?  Weg!

Also wird es auch diese Hersteller irgendwann nicht mehr geben, was wiederum deutlich macht, dass die Unternehmen sich immer weiterentwickeln müssen. Genau da, sehe ich die Gefahren für die Türkei. Wie soll man da mitziehen, wenn man Forschung & Entwicklung und folglich die Innovation nicht ernst nimmt und betreibt?

kordsaBestes Beispiel aus der Türkei ist die Firma Kordsa in Adana. Eines der Hidden Champions zweier Branchen. Weltweit Nr. 1 bzw. Nr. 2 auf zwei verschiedenen Gebieten. Das Unternehmen agiert mit Industrie 4.0

Die Zentrale in Adana weiß, was im Werk in Indonesien an der Maschine mit der Nr. 4520 passiert, wie dort die Leistung ist.

Kordsa  CEO Cenk Alper erzählte in einem Interview, dass die Firma Kordsa am Anfang mit Dupont gemeinsam kooperierte und Nylon produzierte. Auch Dupont sei am Anfang ein Unternehmen gewesen, welches auf Erdölprodukte beschränkt war. Heute ist das Unternehmen eine Macht in Agrar- und Lebensmittelndustrie. Die Augen und Ohren muss man offen halten und schauen, wo geht der Markt hin, welche Produkte werden als nächstes gefragt sein. Auch die Firma Nokia z. B. war am Anfang ein Holzverarbeitungsunternehmen.

Kommen wir zu Kordsa. 50% der weltweit produzierten Autoreifen  werden durch Kordsa verstärkt. Bei den Flugzeugreifen gar 2/3 der Weltproduktion. Das Unternehmen fing dabei 1973 mit Nylon 6.6 Produktion an. Bei Nylon hat man anfänglich die Qualität erhöht und die Kosten gesenkt. Dann mussten wir die Trends verfolgen und vorhersehen, wo wir am besten weitermachen sollten, sagt Alper. Heute produziert Kordsa Nylon und Polyester Kordgewebe. Mit dem ersteren ist man die Nr. 1 und mit der anderen die Nr. 2, weltweit.

Alper sagt, dass Kordsa heute 43 Jahre alt sei und er sich nicht vorstellen könne, dass mit 100 Jahren Kordsa noch Kordgewebe produziert, weil es dann wahrscheinlich nicht mehr nachgefragt sein wird.

ARDener: Die türkischen Unternehmen allgemein, ziehen immer mit, wenn es um die neuesten Technologien innerhalb ihrer Branche geht. Der Grund ist einfach. Die Anbieter dieser Technologien stehen vor der Tür und möchten verkaufen. Erst da erfährt der türkische Produzent, dass es eine neuere Technologie gibt. Schlimmer ist aber, was wir aus dem Text oben entnehmen können, dass er keinerlei Visionen hat, wie es weitergehen soll. Die Technologieanbieter beraten ihn nur in seinem Bereich und werden sicherlich nicht sagen, dass es mit dem Produkt, die man produziert , bald zu Ende gehen wird.

Dieses ist auch die Erklärung dafür, dass es nur wenige Traditionsunternehmen gibt, in der Türkei und diese auch nur im Lebensmittelbereich. In den meisten Fällen ist es die Marke, die unter dem Dach eine Multis lebt.

Schade ist auch, dass kaum einer der türkischen Wirtschaftsbosse, seine Erfahrungen weitergibt, damit auch andere Branchen davon profitieren. So gibt es einige Unternehmen in der Türkei, die weltweit führend sind und nie auffallen. Sie nehmen keine Fördergelder auf, haben nie was mit der Regierung zu tun. Sie wachsen und gedeihen, dass es sie auch in 100 Jahren geben wird.  Nur Nutzen für das Land, was Know-how angeht, gleich null.

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