Hormonbehandlung der Wirtschaft wirkt nicht mehr

Die zuletzt veröffentlichten Zahlen der Türkstat, verheißen nichts Gutes. Die Exporte, wie auch die Nachfrage, liegen weit hinter den Erwartungen zurück.

Laut den, vor fünf Tagen, veröffentlichten Zahlen, liegen die Exporte um 9,8%, hinter den Zahlen des Vergleichszeitraumes des Vorjahres. Das bedeutet Hattrick. Im dritten Jahr in Folge, sinkt der Export. Auch die Importe sind zurückgegangen und zwar um 11,6%.

Während weiter fleißig neue Einkaufszentren gebaut werden, haben die bestehenden, durch Terrorangst einen Minus von 60% bei den Besucherzahlen. Das zeigt, dass die Türken, die auf die Ängste der Touristen, wegen dem Terrorangst, kein Verständnis zeigen, selber Angst haben. Wie der Vertrauensindex der Verbraucher, bei all diesen negativen Vorzeichen, zu gleicher Zeit, um 2,2% steigen konnte, ist dabei ein Widerspruch in sich.

Die Türkei ist, saisonal bedingt, in einer Phase, wo die Wirtschaft, normalerweise an Fahrt aufnimmt. Genau das Gegenteil ist aber der Fall.

Nicht, dass man dem nicht entgegenwirken könnte, doch stehen derzeit andere Dinge im Vordergrund. Der Ministerpräsident hat, auf Druck des Herrn Erdogan, sein Stuhl nehmen müssen. Die Unzufriedenheit in der Regierungspartei wächst. Das könnte durchaus eine Spaltung der Partei zur Folge haben. Die Marschrichtung des Erdogan ist klar: Neuwahlen, ausreichende Sitze zur Verfassungsänderung und das Präsidialsystem.

Während er sein Status als Alleinherrscher und Diktator dadurch zu legalisieren versucht, lässt er das wirtschaftliche schleifen. Während der Leistungsbilanzdefizit, bei sinkendem Ex- und Import kleiner wird, wächst das Haushaltsdefizit.  Die geplatzten Schecks und Wechsel haben Rekordhöhen erreicht.

Was mit Schönreden der Wirtschaft bis jetzt funktionierte, hat nunmehr ein Ende. Wachstum, durch Hormonbehandlung, geht nicht mehr. Die Wirtschaft ist nicht mehr flexibel genug, um diese Störungen zu kompensieren. Es scheint, dass die Finanzmärkte sich den wirtschaftlichen Gegebenheiten beugen müssen.

Höhere Mindestlöhne und Renten, seit zwei Monaten stabile türkische Währung, sinkende Zinsen, Bilanzverschönerungen und angebliche Reformen, reichten nicht, die Wirtschaft, auch nur zeitweise, anzukurbeln. Was nun?

Die letzten Tage zogen USD und Euro an. Bei 200 Mrd. USD Auslandsschulden der türkischen Unternehmen…

Die Probleme wachsen überm Kopf. Eigentlich die gleichen Probleme, die man schon immer mitgeschleppt hat. Nur lassen sich diese nicht mehr schönreden.

Die Zahl der getöteten Soldaten, von 1 bis 10 Toten am Tag, ist für die Öffentlichkeit nicht der Rede wert. Man hat sich auch daran gewöhnt. Fragt man Erdogan, wie alles wieder ins Lot kommen soll… Präsidialsystem! Was anderes interessiert ihn nicht.

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